Getrennt im Alltag

Es gibt Schlimmeres

Der Satz fällt irgendwann. Meistens von jemandem, der es gut meint. Manchmal am Telefon, manchmal beiläufig in der Küche bei der Arbeit, während der Kaffee durchläuft.

Und er stimmt ja. Es gibt immer Schlimmeres. Den Satz kannst du über jede Situation legen, die je ein Mensch hatte.

Nur bei einem gebrochenen Bein sagt ihn keiner. Da sitzt niemand im Wartezimmer neben dir und sagt, andere haben sich beide gebrochen. Da fragt auch keiner nach, ob es wirklich wehtut. Man sieht den Gips und der Fall ist klar.

Bei einer Trennung sieht man nichts. Also musst du erst beweisen, dass es schlimm genug war, bevor jemand es stehen lässt. Und wer gerade sowieso an sich zweifelt, hört den Satz genau so, als Bescheid, dass es das wohl doch nicht war.

Dabei kommt er meistens nur, weil der andere mit deinem Schmerz gerade nichts anfangen kann. Er sitzt dir gegenüber, sieht dich so, und will, dass das aufhört. Für dich. Ein bisschen auch für sich. Also holt er die Größenordnung raus, weil das das Einzige ist, was ihm einfällt.

Und in dem Moment, in dem du ihn hörst, gibt es für dich wirklich nichts Schlimmeres.

Trink ein Glas Wasser.