Das Leben nach der Trennung
Nach der Trennung fühlst du dich zu spät dran im Leben

Deine beste Freundin dreht dir am Tisch das Handy hin. Die Planung vom Kinderzimmer, dritte Variante der Wandfarbe, das Regal ist schon bestellt. Du freust dich mit ihr, und du meinst es sogar. Zwanzig Minuten später sitzt du im Auto und fühlst dich zu spät dran.
Am schwersten ist es genau bei den Leuten, denen du es wirklich gönnst. Da gibt es keinen Neid, an dem man sich festhalten könnte. Da bleibt nur der Vergleich. Der Hauskauf, das zweite Kind, und irgendwo dazwischen, dass der Ex so schnell schon jemand Neues hat. Die anderen sind weiter. Du stehst hinten. Und weil sich das anfühlt wie eine Tatsache, klingt jeder Widerspruch dagegen hohl.
Am Bahnhof macht das niemand. Ein Zug kommt um 6:30 an, der nächste um 8:45. Keiner stellt sich auf den Bahnsteig und wirft dem späteren Zug vor, dass er sich schämen soll. Jeder weiß, dass dieser Zug eine andere Strecke gefahren ist. Andere Stopps. Eine andere Entfernung.
Bei uns selbst fällt genau dieser Gedanke weg. Wir sehen die Ankunftszeit von Menschen, deren Startbahnhof wir nie gesehen haben. Und wir machen daraus eine Reihenfolge, in der wir zurückliegen.
Auf deiner Strecke lag ein Stopp, den keiner eingeplant hat. Der taucht auf keinem der Bilder auf, die dir andere zeigen. Niemand dreht dir am Tisch das Handy hin und zeigt dir die Wochen, in denen es still war.
Wenn nach der Trennung der ganze Lebensplan wegbricht, fällt nicht nur die Zukunft weg, die geplant war. Es fällt auch die Vorstellung weg, dass es für alles genau eine richtige Zeit gibt. Vielleicht siehst du auf diesem Stück Dinge, an denen andere mit 300 km/h vorbeifahren.
Du fährst nur deine eigene Strecke.
Trink ein Glas Wasser.


