Getrennt im Alltag
Die Sachen des Ex nach der Trennung wegräumen oder behalten

Nach einer Trennung räumt der eine sofort alles weg, und beim anderen bleibt monatelang alles genau da liegen, wo es war.
Bei dem einen steht die Kiste schon am nächsten Morgen im Flur. Die Zahnbürste, das T-Shirt zum Schlafen, sogar das Ladekabel, das eigentlich beiden gehörte. Dazu eine Nachricht mit zwei Worten. Kannst abholen. Von außen wirkt das wie jemand, der längst durch ist. Meistens ist es das Gegenteil. Solange die Sachen in der Wohnung stehen, fängt jeder Gang durch den Flur wieder von vorne an. Die Kiste ist der Versuch, wenigstens einen Raum zu haben, in dem heute nur noch heute ist.
Beim anderen hängt der Pulli des Ex nach drei Monaten immer noch über dem Stuhl. Beim Staubsaugen wird jedes Mal drum herum geputzt. Niemand legt Wäsche auf diesen Stuhl, niemand setzt sich drauf. Wer ihn wegräumt, macht damit etwas endgültig, und genau davor sitzt man abends und rührt sich nicht. Der Pulli riecht irgendwann nach nichts mehr. Er hängt trotzdem da.
Beide gehen mit derselben Sache um, mit den Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit, die gerade aufgehört hat. Einer schiebt sie vor die Tür, einer hält sie fest. Beide Wege kosten mehr Kraft, als man von außen sieht. Die Wohnung ohne die Sachen ist am Abend danach genauso still wie die Wohnung mit dem Stuhl.
Für die Sachen, die zu schwer sind zum Wegwerfen, reicht erst mal eine Kiste im Keller oder ganz oben im Schrank. Sie sind dann aus dem Blick und trotzdem noch da. Damit fällt die Entscheidung heute nur über den Platz in der Wohnung, alles andere kann warten.
Der Stuhl ist die letzte Stelle in der Wohnung, an der noch beide wohnen.
Trink ein Glas Wasser.


