Toxische Beziehung

Warum sich eine toxische Beziehung normal anfühlen kann

Warum sich eine toxische Beziehung normal anfühlen kann

Irgendwann kommt die Frage. Warum bist du so lange geblieben? Meistens gut gemeint, manchmal auch nicht. Wer aus einer toxischen Beziehung rausgeht, hat darauf oft keine Antwort, die für andere Sinn ergibt.

Bei manchen liegt die Antwort weiter zurück als die Beziehung. Daran war nie was auffällig.

Wer als Kind angeschrien wurde und am nächsten Morgen am Frühstückstisch saß, als wäre nichts gewesen, kennt Versöhnung ohne Entschuldigung. Kennt den Satz, dass man ja selbst angefangen hat. Kennt es, als Erster wieder normal zu reden, obwohl man nichts gemacht hat. Kennt das Abschätzen am Morgen, ob heute ein Tag ist, an dem man was fragen kann.

Das alles ist später kein Warnzeichen. Das ist ein normaler Sonntag.

Du vergleichst immer mit dem, was du schon kennst. Was anderes hast du nicht. Wenn Kälte nach einem Streit das Normalste der Welt war, dann ist Kälte nach einem Streit auch mit dreiunddreißig einfach ein ganz normaler Sonntag. Da schrillt nichts. Da ist nur ein Tag, der so läuft, wie Tage eben laufen.

Deshalb läuft „das hättest du doch merken müssen" bei manchen ins Leere. Der Satz setzt voraus, dass es irgendwann mal anders war. Dass es einen Zustand gab, an dem sich das hier abhebt.

Der Maßstab kommt oft erst viel später. Über einen einzelnen Menschen, bei dem es ruhig bleibt, wenn du was Falsches sagst. Über einen Abend, an dem du merkst, dass du seit Stunden niemandem am Gesicht abgelesen hast, wie die Lage gerade ist. Das ist der Moment, in dem sich alles davor plötzlich anders liest.

Da war nie ein Vorher, an dem man es hätte messen können.

Trink ein Glas Wasser.

Nach der Trennung

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