Kopf und Körper

Nachts die alten Chatverläufe lesen nach der Trennung

Nachts die alten Chatverläufe lesen nach der Trennung.

Es ist kurz nach eins, und du wolltest eigentlich nur kurz aufs Handy schauen. Nach einer Trennung geht das oft so. Zwanzig Minuten später hast du dich bis in den März 2022 hochgewischt und liest ein Gespräch über einen Urlaub, in dem noch alles leicht klingt.

Vier Jahre her. Du liest es heute zum ersten Mal wieder. Dann wischst du zurück Richtung Ende, dahin, wo du sonst immer bist. Die Absätze werden kürzer, aus Sätzen werden Organisationsfragen, wer holt was, wer ist wann da. Die allerletzte Nachricht überhaupt war "Denkst du an den Schlüssel".

Am Anfang suchst du beim Lesen die Stelle, an der es gekippt ist. Deshalb hängst du an den letzten Monaten, dort soll die Antwort liegen. Später liest du auch ohne diese Suche weiter, einfach weil das Gespräch da noch stattgefunden hat.

Was dabei passiert, fällt erst nach ein paar Wochen auf. Die letzten Monate hast du inzwischen zehnmal gelesen, alles davor liegt im selben Verlauf und bleibt zu. So liest du dieselben Wochen ein zweites und ein drittes Mal, und der Rest rückt weiter weg.

Was oft dran ist, liegt später vorn. Mit jedem Mal verschiebt sich, woran du dich überhaupt erinnerst. Die Beziehung wird kleiner, der Chatverlauf wird größer, bis im Kopf hauptsächlich die getippte Fassung übrig ist. In der gibt es keinen Tonfall, keine Küche, keinen Blick beim Reinkommen. Nur Sätze, meistens kurz, meistens nebenbei geschrieben.

Und der Chat war schon damals die kürzeste Fassung von allem.

Trink ein Glas Wasser.

Nach der Trennung

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