Leere und Sehnsucht
Nach der Trennung auf die große Entschuldigung warten

Nach der Trennung tragen viele dieselbe Szene mit sich rum. Es klingelt. Die andere Person steht da, hat alles verstanden und sagt genau die Sätze, die seit Wochen fehlen.
Diese Szene ist bis ins Detail ausgearbeitet. Der Tonfall. Die Stelle im Flur, an der man stehen bleibt. Sogar die eigene Antwort liegt fertig bereit, obwohl niemand geklingelt hat. Manche haben sich überlegt, ob sie sofort aufmachen oder erst zwei Sekunden warten.
Sie läuft morgens beim Aufwachen, abends vor dem Einschlafen und manchmal mitten am Tag, wenn du eigentlich funktionierst. Nachts kommt sie oft im Paket mit allem anderen, weil der Kopf dann sowieso die letzten Monate noch einmal von vorn durchgeht.
Hoffen ist menschlich. Jeder Mensch hofft, das ist der normalste Vorgang der Welt. Der Punkt liegt woanders. Die eigene Ruhe hängt in dieser Zeit an einem Satz, den jemand anderes sprechen müsste. An einer Einsicht, die dieser Mensch vielleicht nie haben wird. Damit liegt die Entscheidung über den eigenen Zustand bei jemandem, der längst gegangen ist. Und der merkt davon nichts.
Deshalb fühlt sich jeder Tag ohne Nachricht wie eine kleine Niederlage an. Das Handy liegt mit dem Bildschirm nach oben, und du schaust auch nach Wochen noch aufs Display, obwohl du längst weißt, was du siehst.
Bei mir ist die Szene damals irgendwann leiser geworden. Sie kam seltener, dann nur noch an schlechten Tagen, und irgendwann hab ich abends gemerkt, dass ich den ganzen Tag nicht dran gedacht hatte. Das war kein Moment, den man feiert. Es ist einfach eines Tages so gewesen.
Der Frieden fängt an dem Tag an, an dem er nur noch dir gehört.
Trink ein Glas Wasser.


