Kopf und Körper

Trennung nach Fremdgehen: jede Erinnerung steht infrage

Trennung nach Fremdgehen: jede Erinnerung steht infrage

Bei einer Trennung wegen Fremdgehen reden alle über den Moment, in dem du es erfahren hast. Der Moment ist hart, und er ist irgendwann vorbei. Was danach kommt, bleibt länger. Du gehst am Handy die Fotos vom letzten Oktober durch. Ihr sitzt da am Tisch, beide am Lachen. Auf deine Frage, seit wann, hast du Juni als Antwort bekommen.

Damit hat jede Erinnerung zwei Fassungen. Das Wochenende mit dem angeblichen Umzug bei einem Kollegen. Der Abend, an dem plötzlich Überstunden dazwischenkamen. Das "Ich liebe dich" im Auto, auf dem Weg zu deinen Eltern. Alles davon war mal einfach nur ein Tag. Jetzt hängt jeder einzelne davon an einem Datum.

Dein Kopf prüft gerade jede einzelne Erinnerung gegen diesen Juni. Dasselbe passiert, wenn du nachts alte Sprachnachrichten anmachst und nach einem Ton suchst, der dir damals nicht aufgefallen ist. Und den Juni hast du von der Person, der du kein Wort mehr glaubst. Deshalb hört das nicht auf. Zu jeder Erinnerung gibt es genau eine Person, die sie einordnen könnte, und genau die fällt aus.

Das ist der Unterschied zu jeder anderen Trennung. Sonst bleiben dir wenigstens die guten Jahre, auch wenn das Ende wehtut. Hier hängen sie an einer Aussage von jemandem, der dich schon mal belogen hat. Deshalb dauert diese Art von Trennung länger, obwohl von außen alles klar aussieht.

Eine Sache steht trotzdem fest. Du warst da. Du hast diese Jahre gelebt, mit allem, was du in dem Moment gefühlt hast. Was auf der anderen Seite lief, ändert daran nichts.

Die Hälfte von diesen Jahren war echt. Deine.

Trink ein Glas Wasser.

Nach der Trennung

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