Kopf und Körper nach der Trennung
Die Welt sieht nach der Trennung genau gleich aus

Die Trennung ist ein paar Tage her, und draußen sieht alles aus wie immer.
Derselbe Bus fährt um zwölf nach sieben. Dieselbe Ampel braucht ewig. Die Kassiererin im Supermarkt fragt, ob du eine Tüte brauchst, genau wie letzte Woche, als noch für zwei eingekauft wurde. Der Rasen vor dem Haus ist gemäht worden. Irgendwo läuft ein Presslufthammer. Alles genau wie vorher.
Bei fast allem anderen, was im Leben groß ist, sieht man von außen irgendwas. Wer mit einem Gips durch die Stadt läuft, wird an einem Tag zehnmal gefragt, wie das passiert ist, und irgendjemand hält immer die Tür auf. Ein neuer Job macht einen anderen Weg am Morgen. Es gibt ein Zeichen, an dem sich festmachen lässt, dass eine Sache ab jetzt anders läuft. Man kann darauf zeigen.
Eine Trennung bleibt komplett innen. Es gibt nichts, worauf jemand zeigen könnte, kein Datum, das irgendwo eingetragen wird, keine Straße, die anders aussieht. Von außen ist der Dienstag ein Dienstag.
Das macht die ersten Wochen so zäh. Ein Teil von dir wartet auf ein Zeichen von draußen, dass das gerade wirklich passiert ist, und draußen bleibt alles genau da, wo es war. Dazu kommt, dass die Leute im Bus, an der Kasse, im Treppenhaus ganz normal mit dir reden, weil man einem Menschen von außen nichts ansieht. Für die alle ist heute ein Tag wie jeder andere. Für dich ist es der vierte.
Deshalb fühlen sich diese Tage oft unwirklich an. Man geht durch eine Stadt, in der alles unverändert weiterläuft, und trägt eine Sache mit sich rum, die von der Größe her irgendwo zwischen einem Umzug und einem Weltuntergang liegt, und niemand an der Ampel merkt davon irgendwas.
Es kostet mehr, als es von außen aussieht, so einen Dienstag ganz normal zu Ende zu bringen.
Der einzige Beweis für die Trennung bist du.
Ich bin Alex. Tiefen Liebeskummer und eine toxische Trennung hab ich selbst hinter mir. Daraus ist der Wellenbrecher entstanden. Vierzehn Tage, jeden Morgen eine Mail mit einem Audio und einem Schritt für den Tag. Tag eins fängt mit einem Glas Wasser an. Kostenfrei.